TopPlusOpen und Luftbild offline: amtliche Karten aufs Handy
Was die Karte des BKG und die Luftbilder der Länder zeigen, was ihre offenen Lizenzen erlauben, welcher Quellenvermerk dazugehört und wo ihre Grenzen liegen.
· Malik · 12 Min. Lesezeit
Bayern lässt seit 2017 jedes Jahr die Hälfte seiner Landesfläche aus dem Flugzeug fotografieren. Daraus entstehen Luftbilder mit 20 cm pro Pixel, und die darfst du nutzen, auch kommerziell, solange du die Quelle nennst. So halten es fünfzehn der sechzehn Länder. Dazu kommt eine topografische Karte von ganz Deutschland, die der Bund herausgibt: TopPlusOpen vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG).
Zum Wandern hast du damit zwei Karten mehr, neben der gewohnten aus OpenStreetMap: eine zweite Karte, mit der du einen Weg abgleichen kannst, und ein Bild davon, was wirklich im Gelände ist. Dieser Beitrag erklärt, was sie zeigen, was ihre offenen Lizenzen erlauben, welcher Quellenvermerk dazugehört und wo ihre Grenzen liegen. walker, die App für Spaziergänge, Wanderungen und Radtouren, die ich für Android entwickle, lädt beide für Gebiete herunter, die du auf der Karte auswählst. Wie das aussieht, zeige ich gegen Ende. Alles davor gilt für jede App und auch für einen Kartenausschnitt in deinem Wanderbericht.
Was TopPlusOpen ist
TopPlusOpen ist die Webkarte des BKG. Sie hat 19 Zoomstufen und zeigt die ganze Welt, Europa genauer und Deutschland samt den grenznahen Gebieten bis hinunter zum Stadtplan. Das BKG aktualisiert sie einmal im Jahr; die Daten im Dienst haben den Stand August 2024. Sie steht unter der „Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – Version 2.0“, kurz dl-de/by-2-0, und kostet nichts.
Aus welchen Daten die Karte besteht, hängt vom Land ab. In elf Ländern verwendet das BKG laut seiner Produktbeschreibung nur amtliche Daten, also die der Vermessungsverwaltungen: in Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. In Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Niedersachsen und im Saarland stammen die großen Maßstäbe dagegen im Wesentlichen aus OpenStreetMap, ebenso jenseits der Grenze. Die linke Karte oben zeigt die Aufteilung.
Wer nach „TopPlusOpen Download“ sucht, findet beim BKG auch die ganze Karte als Kachelarchiv. In der Projektion, die Karten-Apps verwenden, ist es 1,3 TB groß, und das passt auf kein Handy. Apps holen deshalb nur die Kacheln eines Gebiets aus dem Kartendienst des BKG. Das ist ein Server, der auf Anfrage das Kartenbild für einen Ausschnitt schickt.
Amtliche Karte oder OpenStreetMap
Die meisten Wander-Apps zeigen eine Karte aus OpenStreetMap, die Freiwillige in aller Welt pflegen. Beide Karten haben ihre Stärken, und vor einer Wanderung lohnt es sich, sie zu kennen.
In den elf Ländern mit amtlichen Daten zeigt TopPlusOpen, was die Vermessungsämter in ihrem Landschaftsmodell führen, bis hin zu jedem Hausumriss. Diese Ämter vermessen das Land von Gesetzes wegen. Wie gut OpenStreetMap an einem Ort ist, hängt dagegen davon ab, wer dort kartiert hat.
Dafür ändert sich OpenStreetMap jeden Tag und hält fest, worauf es beim Wandern ankommt. Das OpenStreetMap-Wiki zum Wandern beschreibt, wie ein Pfad nach der Skala des Schweizer Alpen-Clubs eingestuft wird, wie gut er im Gelände zu erkennen ist, wo Hütten, Unterstände und Wegweiser stehen und welche Wege zu einer markierten Route gehören. TopPlusOpen ist dagegen eine Momentaufnahme: Selbst der OpenStreetMap-Anteil darin hat laut der Quellenliste des BKG den Stand vom 23. April 2024.
Am besten nimmst du also beide. TopPlusOpen zeigt dir das Land, wie die Vermessung es erfasst, und OpenStreetMap die Wege von heute mit allen Einzelheiten. Wo sich die beiden bei einem Weg widersprechen, lohnt vor dem Aufbruch ein zweiter Blick. Das Relief, also die Form der Berge, zeichnet walker selbst aus Geländedaten. Wie das geht, steht in Höhenlinien und Schummerung auf dem Handy.
Die Luftbilder der Länder
Das Luftbild auf einer Karte ist ein digitales Orthofoto, kurz DOP: senkrecht aufgenommen, mit einem Höhenmodell entzerrt und maßstabsgetreu, so dass es genau unter die Karte passt. Die Länder liefern es mit 20 cm pro Pixel, Nordrhein-Westfalen mit 10 cm. Neu beflogen wird im Turnus: Bayern und Baden-Württemberg erneuern jedes Jahr etwa die Hälfte ihrer Fläche, Nordrhein-Westfalen alle zwei Jahre. Ein Luftbild ist also ein bis zwei Jahre alt, und zwei Ecken desselben Landes können aus verschiedenen Jahren stammen.
Ein Luftbild zeigt, was eine Karte weglässt oder noch nicht kennt: wo der Wald aufhört, eine Lichtung, einen Kahlschlag, einen Feldweg, eine Felsstufe. Wenn du einen Weg suchst, verrät es dir oft mehr als jedes Kartenzeichen: wie viel davon unter Bäumen verläuft und wo er ins Freie kommt, in Sonne und Wind.
Fünfzehn Länder bieten ihre Luftbilder als offene Daten über einen Kartendienst an, ohne Anmeldung und ohne Schlüssel. Mecklenburg-Vorpommern stempelt „© GeoBasis-DE/M-V“ in jedes Bild und ist deshalb in walker nicht dabei. Drei Dienste zeigen ein festes Jahr: Berlin 2024, Bremen 2023 und das Saarland 2025. Hamburgs Dienst enthält eine Zeitreihe von 2005 bis 2024, und seine Beschreibung nennt neben der Lizenz der Stadt eine Lizenz für Satellitenbilder von Pléiades, die keine freie Nutzung erlaubt. Eine App, die dort Kacheln holt, fragt deshalb ein bestimmtes Jahr ab. walker nimmt 2024, die eigene Befliegung der Stadt. Die übrigen Dienste zeigen jeweils die neueste Befliegung. Die rechte Karte oben zeigt beides.
Was offene Daten erlauben
Die meisten Länder und das BKG nutzen die Datenlizenz Deutschland. Nach ihrem Text darfst du die Daten vervielfältigen, drucken, zeigen, verändern und weitergeben, kommerziell wie nicht kommerziell, sie mit eigenen Daten verknüpfen und in Produkte und Apps einbauen. Bedingung ist der Quellenvermerk: der Name der Stelle, die die Daten bereitstellt, in der Form, die sie vorgibt, dazu „dl-de/by-2-0“ mit einem Link auf den Lizenztext und ein Verweis auf den Datensatz. Wer die Daten verändert, muss das dazuschreiben.
Die anderen Lizenzen sind ähnlich oder noch offener. Unter „dl-de/zero-2-0“ ist jede Nutzung ohne Bedingung erlaubt, ein Quellenvermerk ist nicht nötig. Bei CC BY 4.0 nennst du die Urheber, verlinkst die Lizenz und weist auf Änderungen hin. Hessen regelt das per Gesetz: Nach § 24 des Hessischen Vermessungs- und Geoinformationsgesetzes ist die Nutzung frei und ohne Bedingung. Keine der Lizenzen verbietet eine App, die Geld kostet. Was eine App schuldet, ist der Quellenvermerk. Das gilt genauso für einen Kartenausschnitt in deinem Wanderbericht: Du darfst ihn veröffentlichen, mit dem Quellenvermerk, den die Tabelle unten nennt.
| Land | Lizenz | Quellenvermerk, wie das Land ihn verlangt |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg | dl-de/by-2-0 | „LGL-BW (Jahr des Datenbezugs) Datenlizenz Deutschland - Namensnennung - Version 2.0, www.lgl-bw.de“ |
| Bayern | CC BY 4.0 | „Bayerische Vermessungsverwaltung – www.geodaten.bayern.de“ |
| Berlin | dl-de/zero-2-0 | keiner nötig |
| Brandenburg | dl-de/by-2-0 | „© GeoBasis-DE/LGB, dl-de/by-2-0, (Daten geändert)“ |
| Bremen | CC BY | „Landesamt GeoInformation Bremen“ |
| Hamburg | dl-de/by-2-0 | „Freie und Hansestadt Hamburg, Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung (LGV)“ |
| Hessen | frei nach § 24 HVGG | keiner nötig |
| Niedersachsen | CC BY 4.0 | „LGLN (Jahr des Datenbezugs) Creative Commons Namensnennung – 4.0 International (CC BY 4.0)“ |
| Nordrhein-Westfalen | dl-de/zero-2-0 | keiner nötig |
| Rheinland-Pfalz | dl-de/by-2-0 | „©GeoBasis-DE / LVermGeoRP (Jahr des Datenbezugs), dl-de/by-2-0, http://www.lvermgeo.rlp.de [Daten bearbeitet]“ |
| Saarland | dl-de/by-2-0 | „© GeoBasis DE/LVGL-SL (Jahr)“ |
| Sachsen | dl-de/by-2-0 | „GeoSN, dl-de/by-2-0“ |
| Sachsen-Anhalt | dl-de/by-2-0 | „© GeoBasis-DE / LVermGeo ST“ |
| Schleswig-Holstein | CC BY 4.0 | „© GeoBasis-DE/LVermGeo SH/CC BY 4.0“ |
| Thüringen | CC BY 4.0 | „© GDI-Th“ |
Die Angaben stammen aus der Beschreibung, die jeder Dienst mitliefert, für Bayern aus den Nutzungsbedingungen. Sie haben den Stand vom 28. September 2026. Bevor du etwas veröffentlichst, sieh in der aktuellen Fassung nach.
Der Quellenvermerk für TopPlusOpen
Die Nutzungsbedingungen des BKG verlangen einen deutlich sichtbaren Quellenvermerk, wo immer die Karte öffentlich zu sehen ist. Das gilt für eine App genauso wie für einen Kartenausschnitt in einem Blog. Auf einer Webseite oder in einer App verlinkt „BKG“ auf https://www.bkg.bund.de und „dl-de/by-2-0“ auf den Lizenztext.
Die Bedingungen unterscheiden zwei Fälle. Zeigt die App die Karte direkt aus dem Dienst,
lautet der Vermerk „© BKG (Jahr des letzten Datenbezugs) dl-de/by-2-0, Datenquellen“, und
„Datenquellen“ darf auf die aktuelle Quellenliste des BKG verweisen. Speichert die App die
Kacheln für unterwegs, verweist „Datenquellen“ auf eine PDF-Datei, in deren Namen der Tag
steht, an dem die Kacheln gespeichert wurden. Für Kacheln vom 8. Oktober 2024 nennt das BKG
als Beispiel „© BKG (2024) dl-de/by-2-0, Datenquellen“, und „Datenquellen“ verweist dann auf die Datei
datenquellen_topplusopen_08.10.2024.pdf beim BKG.
Eine Offline-Karte trägt also das Datum, an dem sie heruntergeladen wurde, und ihr
Quellenvermerk sagt dir damit auch, wie alt deine Kopie ist.
Und noch etwas steht in den Bedingungen: Das BKG erlaubt ausdrücklich, mit TopPlusOpen OpenStreetMap zu pflegen und zu erweitern, und gibt dafür einen eigenen Text für die Namensnennung vor.
Wo die Grenzen liegen
- TopPlusOpen ist nur für Deutschland und die grenznahen Gebiete detailliert, und die Luftbilder kommen von den deutschen Ländern. In Tirol oder Graubünden hilft beides nicht.
- Mecklenburg-Vorpommern hat Luftbilder, aber mit einem Copyright im Bild.
- TopPlusOpen hat den Stand August 2024, und ein Luftbild ist ein bis zwei Jahre alt. Ein neuer Weg, eine Sperrung oder ein Sturmschaden kann fehlen.
- 20 cm pro Pixel sind für ein Handy zu viel. Ein Gebiet von 10 × 10 km mit 0,75 m pro Pixel belegt in walker etwa 90 MB. Die Dienste begrenzen außerdem, wie groß eine einzelne Anfrage sein darf (Bayern auf 6.000 × 6.000 Pixel), deshalb holt eine App ein Gebiet Kachel für Kachel.
- Keiner der Dienste regelt, ob und wie eine App viele Kacheln hintereinander abrufen darf. Eine App, die das tut, sollte es langsam tun und nur, wenn du es willst.
Wie walker es macht
Mit dem Ebenen-Knopf auf walkers Karte wählst du zwischen vier Ebenen: Map (die Karte aus OpenStreetMap), Topo (dieselbe mit Schummerung, einer Schattierung, die das Relief zeigt, und mit Höhenlinien), TopPlusOpen und Aerial (Luftbild). Über den Luftbildern liegen die Wege und Namen der Karte, damit du den Pfad im Bild findest.
Für TopPlusOpen und Luftbilder tippst du auf Download this area (dieses Gebiet herunterladen). Über der Karte erscheint ein Rahmen, und du verschiebst und zoomst die Karte, bis er das Gebiet umfasst. Darunter stehen drei Detailstufen, 3 m, 1,5 m und 0,75 m pro Pixel, jeweils mit der Größe, die das Handy selbst ausrechnet. So wählst du die Detailstufe, für die dein Handy Platz hat. Nichts geht online, bevor du auf Download tippst, kein Dienst erfährt also von dem Gebiet, solange du noch auswählst. Gebiete über 2 GB lehnt walker ab. Die Kacheln kommen einzeln vom Dienst des BKG oder des Landes, in dem sie liegen, und jeder Abruf steht in Privacy & storage (Datenschutz und Speicher). Ein unterbrochener Download macht dort weiter, wo er aufgehört hat. Reißt die Verbindung ab, kostet dich das also nur die Kacheln, die noch fehlen.
Die fertigen Gebiete stehen unter Map packs (Kartenpakete) → Areas (Gebiete), jedes nach seinem Ort benannt und mit Ebene, Detailstufe, Größe und dem Tag des Downloads. Auf der Karte nennt walker jede Quelle, deren Daten gerade zu sehen sind. Tippst du auf die Zeile, öffnet sich Map data (Kartendaten) mit den Links. Für TopPlusOpen ist das der Vermerk aus den Bedingungen, „© BKG (2026) dl-de/by-2-0, Datenquellen“, mit dem Tag des Downloads im Link. Unter Settings → Licences (Lizenzen) steht jedes Land mit seiner Lizenz. Wie du Kartenregionen für unterwegs vorbereitest, steht in Wanderkarte offline auf dem Android-Handy, und die Hilfe hat einen Abschnitt zu den Karten.
Die Zeile unter der Karte
Der Quellenvermerk wirkt wie Kleingedrucktes, das nur wegen der Lizenz dasteht. Beim Wandern nützt er dir mehr: Er sagt dir, wer die Karte gezeichnet hat und aus welchem Jahr sie stammt. Steht dort „© BKG (2024)“ oder ein Landesamt, siehst du die Vermessung von damals. Steht dort OpenStreetMap, siehst du, was Freiwillige zuletzt eingetragen haben. Lies die Zeile, bevor du dich an einer Weggabelung auf die Karte verlässt.